apoBank | Trumps Zollpolitik treibt Inflation – keine positiven Effekte nach einem Jahr
Dr. Björn Ohl, Ökonom bei der apoBank
Investmentfonds.de - Ein Jahr nach dem von Donald Trump ausgerufenen „Liberation Day“ fällt die wirtschaftliche Bilanz der amerikanischen Strafzölle ernüchternd aus – mit spürbaren Folgen für Inflation, Wachstum und gesellschaftliche Verteilung.
„Vor gut einem Jahr verhängte US-Präsident Trump am sogenannten Tag der Befreiung, dem Liberation Day, hohe Importzölle auf nahezu alle Länder der Welt. Aus ökonomischer Perspektive waren die Zollanhebungen der Trump-Administration von Anfang an äußerst fragwürdig.
Zu feiern gibt es ein Jahr nach dem Liberation Day jedenfalls nichts.
Die vielen positiven Effekte, die Trump mit der Einführung der Strafzölle in Aussicht stellte, haben sich nicht ansatzweise eingestellt. Weder hat die US-Industrie durch die Zölle eine neue Blütezeit erlebt noch wurde die defizitäre Handelsbilanz ausgeglichen. Stattdessen haben die Zölle in den USA die Inflation erhöht und das Wachstum belastet. Auch die US-Staatsfinanzen wurden nicht saniert.
Ganz im Gegenteil – die USA befinden sich unter Trump auf einem abenteuerlichen Haushalts- und Schuldenkurs, der sich diplomatisch ausgedrückt als nicht nachhaltig beschreiben lässt. Zwar hat das US-Finanzministerium in den Monaten nach dem Liberation Day kräftige Zuwächse bei den Zolleinnahmen verbucht. Doch erstens bleiben die Einnahmen hinter den hohen Erwartungen zurück. Und zweitens kommen unabhängige Studien, darunter vom Kiel Institut für Weltwirtschaft und der New York Fed, zu dem Ergebnis, dass nicht ausländische Exporteure die Last der zusätzlichen Zölle tragen, sondern in erster Linie amerikanische Haushalte und Unternehmen.
Das Ergebnis dürfte niemanden mit ökonomischem Sachverstand überraschen, auch wenn Trump weiterhin und fälschlicherweise behauptet, dass die Zölle von den ausländischen Unternehmen gezahlt werden, wenn diese ihre Produkte auf dem US-Markt verkaufen wollen. Stattdessen ergibt sich das Bild einer historischen Umverteilung in der amerikanischen Gesellschaft von unten nach oben, wenn man die Einführung der Strafzölle und das im Sommer letzten Jahres verabschiedete Fiskalpaket (One Big Beautiful Bill Act) zusammen betrachtet. Denn die Lasten der Strafzölle treffen die unteren Einkommensschichten am stärksten, während die steuerlichen Entlastungen vor allem den oberen Einkommensschichten zugutekommen.
So richtig lässt sich ein einjähriges Zolljubiläum ohnehin nicht begehen, weil viele dieser Zölle nicht mehr existieren. Denn von dem Obersten Gerichtshof in den USA wurde ein großer Teil der Zölle in einem vielbeachteten Urteil Mitte Februar bereits wieder kassiert.
Nun zeichnet sich eine Klagewelle mit entsprechenden Rückzahlungsforderungen ab. Trump steht auch in der Handelspolitik vor einem Scherbenhaufen, den er selbst verursacht hat.“
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